Bevölkerung

Die etwa 69,1 Millionen Bewohner sind zu 75 % ethnische Thai und zu 14 % Chinesen; in den drei südlichsten Provinzen leben überwiegend Malaien.

Thailands Einwohner - Provinzen Thailands  

Die Bevölkerung Thailands beträgt 61 Millionen, wobei die Wachstumsrate bei 1,5 % liegt. Mit einer Bevölkerung von 61 Millionen liegt Thailand in Südost-Asien hinter Vietnam (74,6 Millionen) und den Philippinen (67,7 Millionen) und weit hinter Indonesien (196,5 Millionen), aber vor Myanmar (46,7 Millionen), Malaysia (20,1 Millionen), Kambodscha (9,8 Millionen) und Laos (4,8 Millionen). Die Wachstumsrate der Bevölkerung gehört zu den niedrigsten in der Region. Thailands 1,5 % liegt höher als die Wachstumsrate Chinas (1,2%), aber sie ist niedriger als in Laos (2,9%), den Philippinen (2,3%), Malaysia (2,4%), Vietnam (2,3%), Kambodscha (2,5%), Burma (2,1%) und Indonesien (1,7%). [Quelle: Asiaweek vom 17. November 1995]

 

Im Gegensatz zu den meisten anderen aufgeführten Ländern gibt es in Thailand keine nennenswerten ethnischen Konflikte. Der einzige, allerdings nicht sehr ausgeprägte, innere Konflikt des Landes, in den südlichsten Provinzen des Königreichs, ist nicht ethnisch, sondern eher religiös begründet. Die südlichsten Provinzen, an der Grenze zu Malaysia, sind moslemisch, während die thailändische Bevölkerung ansonsten dem Theravada-Buddhismus anhängt. Doch obwohl die Beziehungen zwischen Bangkok und den südlichsten Provinzen bisweilen nicht gerade harmonisch sind, und obwohl es in dem religiös motivierten Konflikt mehrere Tote im Jahr gibt, werden den separatistischen Tendenzen wenig Erfolgsaussichten prognostiziert.
 
Die Abwesenheit ethnischer Konflikte verleiten den Besucher Thailands leicht zu der Annahme, das Land sei ethnisch kohärenter als es tatsächlich der Fall ist. Während es zwar in der Tat keine grosse ethnisch völlig verschiedene Minderheit gibt, wie zum Beispiel die Kurden im Irak oder in der Türkei, gibt es in Thailand eine sehr grosse Zahl kleiner ethnischer Minderheiten, von denen die meisten sich auf einer niedrigeren kulturellen und zivilisatorischen Ebene befinden als die Thai-Gesellschaft im Ganzen. Die meisten dieser Stammes-Gesellschaften sind im Norden des Landes angesiedelt. Doch auch die Hauptgruppe der thailändischen Gesellschaft ist weniger kohärent als es zum Beispiel die japanische Gesellschaft ist. Ursprünglich lebten die Thais in Süd-China, hauptsächlich in einem Gebiet, das der jetzigen chinesischen Provinz Jünan entspricht, und die thailändische Sprache ist in ihrer Struktur auch der gesprochenen chinesischen Sprache ähnlich. Erst seit den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung sind Thais in nennenswerter Zahl in ein Gebiet eingewandert, das dem heutigen Territorium Thailands entspricht. Dieses Gebiet war aber zu jener Zeit schon von Volksgruppen besiedelt, die den Thais ethnisch nicht nahestehen, hauptsächlich den Khmers (den Vorfahren der heutigen Kambodschaner) und ihren Verwandten, den Mons, und, in geringerem Umfang, von Burmesen und Malaien. Thais waren in den ersten rund 1000 Jahren, in denen sie ein Gebiet besiedelten, das in etwa dem heutigen Thailand entspricht, in diesem Gebiet keineswegs die dominierende Volksgruppe. Zur dominierenden Volksgruppe wurden sie erst vor etwa 700 Jahren, als die Eroberungszüge am Südrand des chinesischen Reiches zu einer Migration von Thai-Volksstämmen im grösseren Stil führten.
 
Da Thais, die in den ersten 1000 Jahren der christlichen Zeitrechnung Südostasien bevölkerten, stets in Staatsgebilden lebten, die von Khmers und Mons regiert waren, und da später in den Staatsgebilden der Thais zahlreiche andere Völker lebten, kam es jahrhundertelang zu starker ethnischer Vermischung. Zur ethnischen Vermischung hat weiterhin beigetragen, dass stets Bevölkerungsumsiedlungen im grossen Stil vorgenommen wurden, wann immer sich die Machtverhältnisse in Südostasien tiefgreifend veränderten. Schon in Khmer-Reichen, die über ein ausgeprägtes Sklaverei-System verfügten, war es Sitte, von Kriegszügen nicht nur Beute in Form von Schätzen, sondern auch in Form von Bevölkerungszuwachs mitzubringen. Weiterhin hat zur ethnischen Vermischung beigetragen, dass Thailand, oder Siam, wie das Land viele Jahrhunderte hiess, auf eine lange Geschichte politischer Asylgewährung zurückblicken kann. Vietnamesische Christen, Mon-Minderheiten aus Burma und Oppositionsgruppen aus Kambodscha haben in Thailand nicht erst während und nach dem Vietnam-Krieg politisches Asyl gesucht und erhalten, sondern schon vor Hunderten von Jahren. Und schliesslich und endlich sind seit Jahrhunderten Chinesen in substantieller Zahl in ein Gebiet eingewandert, das dem heutigen Thailand entspricht - wobei deren Motivation allerdings stets eher wirtschaftlicher als politischer oder religiöser Natur war. Bis heute haben ethnische Chinesen in der thailändischen Wirtschaft eine führende Stellung. Und der Sohn eines chinesischen Vaters und einer thailändischen Mutter, Taksin, war von 1767 bis 1782 sogar König von Siam.
 
Weite Teile Nord-Thailands standen jahrhundertelang unter burmesischer Herrschaft, ein Umstand, der nicht nur die Kultur Nord-Thailands geprägt hat, sondern auch eine ethnische Vermischung zur Folge hatte. Was der thailändischen Nation von heute deshalb ihr starkes Identitätsgefühl verleiht, ist weniger die ethnische Kohärenz, als vielmehr eine linguistische, politische, religiöse und kulturelle Gleichförmigkeit mit nur wenigen Ausnahmen. Zwar wird die thailändische Sprache im Norden und im Süden des Landes nicht genau gleich ausgesprochen; die Schrift jedoch ist die gleiche, und es ist eine Schrift, die in keinem anderen Land der Welt benützt wird. Ein einigender Faktor, der kaum unterschätzt werden kann, ist die Monarchie - seit Jahrzehnten personalisiert durch den überaus populären König Bhumiphol Adulyadej.

 
Land und Leute in Thailand - diverse Infos

Thailand das Land des Lächelns
 
Babys lächeln schon im Körbchen, Kinder strahlen ihre Eltern an, doch Thais scheinen ständig zu lächeln. Ihnen muss das Lächeln angeboren sein. Lächeln ist sicher universell, ein Gesichtsausdruck, der positive emotionale Reaktionen zeigt. Zum anderen ist das Lächeln das wichtigste soziale Signal zur Regulierung von zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn ein Mensch einen anderen im Gespräch anlächelt, weiss der Gesprächspartner, wie das Gesagte gemeint ist. Bei Thais kommt das Lächeln zweifellos auch in schwierigen Situationen zum Einsatz: Als nervöses oder scheues Lächeln, oft hilft ihnen das Lächeln über einen unangenehmen Moment hinweg. Denn Menschen, seien es Thais oder Ausländer, die angelächelt werden, lächeln meist zurück. Ob es sich um ein echtes, herzliches oder aber um ein höfliches, aufgesetzes Lächeln handelt, erkennen die meisten Menschen intuitiv, Ein echtes Lächeln ist im ganzen Gesicht zu erkennen. Es bilden sich um die Augen Krähenfüsse und die Wangen heben sich. Soziales Lächeln dagegen beginnt und endet meist abrupt. Die Augen lächeln nicht mit, selbst nicht im Land des Lächelns.

 
Homosexualität in Thailand
 
Thais bezeichnen Homosexuelle mit den zwei Worten „Katoey“ und „Gay“. Nach dem thailändischen Wörterbuch ist ein Katoey allerdings ein Zwitter oder ein Transvestit. Doch in der normalen Umgangssprache wird das Wort, nicht selten herabsetzend, auch für Homosexuelle verwendet. Die Bezeichnung wird auch für Männer mit weiblichen Charaktermerkmalen und Verhaltensweisen benutzt. Männer mit eigentlich eher weiblicher Kleidung, Transsexuelle sowie Männer, die ein affektiertes, weibisches Verhalten zur Schau stellen, werden als Katoey abqualifiziert. Manchmal werden sogar Lesben als Katoey bezeichnet. Das Wort Gay hingegen wird für Homosexuelle verwendet, die ein eher reserviertes Verhalten an den Tag legen oder mit Gays einen vertraulichen Umgang pflegen. Das Wort „Toot“ kann man möglicherweise von Dustin Hoffmanns Rolle in dem Film „Tootsie“ ableiten, und es ist eher eine familiäre Bezeichnung für thailändische Gays.  Mehr Informationen zum Thema Katoey oder Lady-Boys finden sie hier:

 
Weiss oder schwarz, Thais fliehen vor den Sonnenstrahlen
 
Bei uns in Deutschland tragen die Frauen ihre Handtaschen oder Einkaufstaschen normalerweise in der Hand. In Thailand hingegen sieht man immer wieder Frauen, die die Taschen über den Kopf oder vor das Gesicht halten, was insbesondere beim Überqueren der mit rücksichtslos daherbrausenden Motorrad- oder Tuk-Tuk Fahrern gefüllten Strassen Bangkoks nicht ungefährlich ist. Der Grund für die ungewöhnliche Handhabung dieser für jede Frau unentbehrlichen Utensilien ist die Angst, ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen und dadurch einen etwas dunkleren Teint zu bekommen. Während Touristen sich in die pralle Sonne legen und rot verbrannt wieder nach Hause fliegen, fliehen die Thais vor Sonnenstrahlen wo immer sie nur können. Sie können deshalb gar nicht verstehen, warum Farang zwar über die Hitze stöhnen, sich dann aber stundenlang in der Sonne wie Lobster rösten lassen in dem vergeblichen Versuch schwarz zu werden; und warum Ausländer so viel Geld für den Flug nach Thailand ausgeben, nur um bei der Rückkehr nach Hause auszusehen wie ein thailändischer Bauarbeiter, der den ganzen Tag in der Sonne schuften mus -)

Dabei weiss doch jeder Thai, der seine fünf Sinne beisammen hat, dass man sich der Sonne nur aussetzt, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt und sich im Übrigen tunlichst im Schatten aufhält, wenn irgend möglich in horizontaler Position. Nicht zuletzt deswegen halten sie alle Farang grundsätzlich für „baba-bobo“, d. h. für etwas verrückt. Wenn man immer wieder hört, dass die Mädchen von Chiang Mai besonders schön seien (auch in unseren Reiseführern wird dieser Unsinn immer wieder kolportiert), dann deswegen, weil im Norden Thailands, wo die Sonne weniger stark brennt, die Menschen von Natur her eine hellere Hautfarbe haben; und das finden Thais eben schön. Wenn man eine Gruppe von Leuten bei der Feldarbeit sieht, ist es kaum möglich, Männer und Frauen zu unterscheiden. Alle sind von Scheitel bis zu den Füßen eingepackt. Die Frauen haben ihr Gesicht trotz der Hitze so vermummt, dass nur noch die Augen hervorsehen. Man könnte meinen, eine Antiterroreinheit sei dort im Einsatz.
 
Die Arme werden durch langärmlige Blusen bedeckt, möglichst werden auch noch Handschuhe getragen. Alles nur, um sich dagegen zu schützen, dass die brennende Sonne ihre schon braunen Gesichter noch tiefer braun färbt. Es muss zwar unheimlich heiss unter der Vermummung sein, aber Schönheit muss eben leiden. Wenn auf der Strasse ein Pickup an einem vorbeifährt, dessen Ladefläche voll ist mit einer bunt gekleideten Truppe, die aber alle eine Skimaske vor dem Gesicht tragen, dann handelt es sich nicht um Banditen, die zu einem Banküberfall fahren, sondern um eine Gruppe von Arbeitern oder Arbeiterinnen, die zu ihrer Arbeitsstelle transportiert werden.
 
Eine dunkle Haut ist ein Zeichen dafür, dass man im Freien eine minderwertige und schlecht bezahlte Handarbeit ausübt, wie Feldarbeit oder Arbeit auf dem Bau. Sie ist somit ein negatives Statussymbol. Eine helle Haut ist in Thailand hingegen ein Zeichen dafür, dass man einen besser bezahlten Beruf ausübt - also ein positives Statussymbol. Es wäre sicher gar keine schlechte Geschäftsidee, entsprechend den bei uns überall wuchernden Bräunungsstudios in Bangkok ähnliche Etablissements einzurichten, wo sich Thais die Haut weisss färben lassen könnten. An Kundschaft würde es sicher nicht mangeln, wenn jemand eine passende technische Lösung hierfür fände. In Kosmetikgeschäften findet man dort, wo bei uns die Bräunungscremes stehen, ein ganzes Sortiment von Kremes und Seifen, die alle die Haut bleichen sollen. Die Kosmetikfirmen machen ein gutes Geschäft mit diesen Schönheitscremen. Auch die Modelle bei Reklamespots im Thai-Fernsehen haben fast alle eine makellose weisse Haut wie Europäerinnen. Andere Länder - andere Schönheitsideale. Die Vorstellungen darüber, was schön ist, können sich allerdings auch ändern.
 
Unsere Urgroßmütter hatten vor 100 Jahren die gleichen Ansichten über Schönheit wie die Thais heute. Wenn eine bessere Dame damals bei Sonnenschein auf die Strasse ging, dann grundsätzlich nur mit Sonnenschirm und ärmellangen Handschuhen, um bloß nicht braun zu werden wie ein Mädchen, das arbeiten musste.
 
Mit freundlicher Genehmigung vom Autor "Günther Ruffert"