Ist es okay, im Urlaub Selfies mit bedrohten Tieren zu schießen? In Thailand profitieren Tierparks vom zweifelhaften Geschäft mit tierischen Attraktionen und gewissenlosen Touristen.

 

Das Wasser ist schmutzig und stinkt wie ein Tümpel mitten im Sommer. Es schwappt an den rauen Wänden eines Betonpools, etwa halb so groß wie ein Sportschwimmbecken. In der Pattaya Dolphin World in Thailand können Besucher mit Delfinen schwimmen. Tierschützer sind entsetzt über die Zustände. Die Tiere würden als Touristenattraktion missbraucht, um ihr Wohl sorge sich niemand, kritisieren sie.

 

Gerade bei Kindern entstehe durch solche Shows ein falscher Eindruck, sagt Richard O'Barry. Er ist Chef der Organisation Dolphinproject.org und präsentierte den preisgekrönten Dokumentarfilm "The Cove" über Delfintötungen in Japan. "Kinder sehen sich diese Shows an und glauben, die Tiere gehören hierher."

 

Das Publikum in Pattaya scheint sich der Problematik nicht bewusst. Die Delfine führen Tricks vor, das Publikum ist begeistert. "Das war toll!", meinen Victoria Maltseva und Roman Lizander, ein Urlauberpaar aus Sibirien. Sie haben jeweils umgerechnet 59 Euro bezahlt, um mit den gefährdeten Säugern zu schwimmen. Im Delfinarium werden zwei der unter strengem Schutz stehenden Irawadi-Delfine und ein Indopazifischer Buckeldelfin gehalten.

 

Es gibt immer mehr solcher Tiershows in dem südostasiatischen Urlaubsland. Edwin Wiek von der Tierschutzorganisation Wildlife Friends Foundation Thailand macht die steigende Zahl von Touristen aus Ländern, in denen Tierschutz niedrigen Stellenwert hat, verantwortlich. In Pattaya sprechen die Delfintrainer Russisch und Chinesisch, von dort kommen die meisten Gäste.

"Vielen Menschen aus diesen Ländern sind die Tiere egal. Sie wollen nur eine Show sehen", sagt Wiek. Die Touristen "wollen auf einem Elefanten reiten oder neben schlafenden Tigern sitzen und Fotos machen, ohne sich darum zu scheren, wie die Tiere dort hinkommen oder ob man sich gut um sie kümmert". Überall in Thailand gibt es sie, diese Tier-Touristenattraktionen. Am Dach des Pata-Einkaufszentrums in der Hauptstadt Bangkok etwa kümmern Tiere in engen Zoo-Gehegen vor sich hin. Die Gorilladame Bua-noi haust seit 27 Jahren in einem Betonkäfig. Sie hat nur einen alten Reifen als Gesellschaft.


 

Private Tigerparks und -tempel befriedigen die Nachfrage nach Urlaubschnappschüssen mit angeketteten Großkatzen. Besucher erwartet oft Eigenartiges: Im Siracha Tiger Zoo wird ein Tiger gemeinsam mit Ferkeln aufgezogen. Mit diesem Experiment soll der Tiger weniger aggressiv gemacht werden, ist auf Schildern zu lesen. "Ich habe Spaß, aber vielleicht sollte ich das nicht", sagt die Britin Sarah Gibbs. Sie hat sich mit einem Tigerbaby fotografieren lassen.

 

Wiek schätzt, dass einige Parks bis zu 9000 Euro am Tag einnehmen. Aber: "Nichts davon hat mit Artenschutz zu tun." Tierschützer haben außerdem manche Tigerparks im Verdacht, in den illegalen Tierhandel verwickelt zu sein. Gerade Körperteile von Tigern sind in der traditionellen chinesischen Medizin sehr begehrt. "Ein Tiger kann bis zu 6000 US-Dollar (4500 Euro) bringen", sagt Wiek.

 

Eine Studie von Traffic, einem Programm zur Überwachung von illegalem Wildtierhandel, besagt, dass zwischen 2000 und 2013 Körperteile von mehr als 1400 Tigern in Asien beschlagnahmt wurden. Thailand, Kambodscha und Laos liegen auf den Hauptschmuggelrouten.

 

"Es gibt keine festgeschriebenen Tierschutzgesetze", sagt eine Sprecherin der thailändischen Nationalpark- und Artenschutzbehörde. Betreiber von Privatzoos müssen zwar eine Lizenz der Behörde besitzen, aber Aktivisten kritisieren, dass wegen der weit verbreiteten Korruption die ohnehin laxen Regeln oft umgangen werden. So werden zum Beispiel Geburten von Tigerjungen selten registriert.

 

Nancy Gibson von der Love Wildlife Foundation ist überzeugt, dass solche dubiose Touristenattraktionen Thailand langfristig schaden werden. "Die Welt geht zum Ökotourismus über und die Menschen sind sich der Probleme mehr bewusst. Diese Attraktionen ruinieren nur Thailands Ruf."

Quelle: dpa