Leben in Pattaya

Blick vom Khao Phra Taninak

Das Pattaya-Klischee 

Kaum eine Stadt ist derart mit Vorurteilen behaftet und in Verruf geraten wie Pattaya. Die Presse wird nicht müde, immer neue, wenig schmeichelhafte Synonyme zu ersinnen, um das abschreckende Bild eines "Dorados der Gewöhnlichkeit" zu verdeutlichen, das nur von den drei S regiert wird, "Sonne, Suff und Sex".

Auswüchse dieser Art sind sicherlich nicht von der Hand zu weisen, spiegeln aber doch wohl eher den Charakter mancher Besucher als von Pattaya. Vorzuwerfen ist Pattaya allenfalls, daß es sich den Wünschen der Fremden vorbehaltlos öffnete und seine Seele verkaufte. Allerdings war bei der Landung der ersten Chartermaschine nicht vorauszusehen, welche Touristenwelle alsbald über Pattaya branden sollte. Um der sprunghaft wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, setzte ein Bauboom ein, der allein vom Ziel nach schneller Erweiterung der Kapazitäten getragen war und wenig Rücksicht auf die Natur nahm. Stück für Stück verlor die Bucht in der sich damals nur das Fischernest Naklua befand ihren ursprünglichen Charme. Nicht den Behörden oder Baulöwen allein ist der Vorwurf massiver Umweltzerstörung zu machen, auch die Urlauber selbst tragen ein gerüttelt Maß an Schuld. Zustände, die sie in der eigenen Heimat niemals dulden würden, nehmen sie hier für Singha und Sonne gern in Kauf. Immerhin sind 90 % der Urlauber mit dem vorhandenen Angebot zufrieden und nur 10% daran interessiert, auch das Landesinnere kennenzulernen. Wen wundert es da, dass die Bauindustrie nach dem Tourismus zum zweitwichtigsten Wirtschaftszweig aufgestiegen ist 

1980-1990 - Krisenjahre in Pattaya

Bucht von Pattaya im Jahr 1979
Die 80er und frühen 90er Jahre brachten Pattaya in eine schwere Krise. Viel zu viel war hier gebaut und verschandelt worden, während andernorts in Thailand noch weniger bekannte Strände lockten, die zudem viel weniger mit Imageproblemen zu kämpfen hatten. (Zwar gibt es auf der Ferieninsel Phuket im Süden des Landes, zumindest am Patong Beach, heute ähnlich viele Go-Go Lokale wie in Pattaya, international wird das aber einfach weniger zur Kenntnis genommen.) Phuket ist kein Schimpfwort geworden, während Pattaya ganz eindeutig eins ist.
Die vernachlässigte Strandpromenade von Pattaya zerfiel zusehends. In der Bucht trieb oftmals eine trübe Brühe. Zum Baden fuhr man längst an den etwas außerhalb gelegenen Jomtien Strand. Wenn in der internationalen Presse über Pattaya berichtet wurde, dann nur negativ, reduziert auf das Sexgewerbe, das auch heute noch unbestreitbar vorhanden ist, seine vormals schreiende Präsenz aber vergleichsweise stark reduziert hat. Die Umsätze (und Preise) sanken in den Jahren des Abstiegs dramatisch. Aids war ebenso ein Reizthema wie Kinderprostitution. Der Glanz der "Perle am Golf von Siam" war verblasst.

Pattaya heute

Inzwischen wurde in Pattaya eine gigantische Kläranlage gebaut. Die Strandpromenade ist längst repariert, die neue Schiffsanlegestelle steht seit drei Jahren. Die verantwortlichen Politiker sind wegen der Umsatzrückgänge ein wenig aufgewacht. Einige moderne Einkaufszentren mit Kinos sind entstanden. Pubs und Mikrobrauereien ersetzen mehr und mehr die heruntergekommenen Bierbars der frühen Boomtown Jahre. Die topmoderne Hollywood-Disco lockt Nacht für Nacht Tausende an. Nirgends auf der Welt gibt es eine derartige Dichte an Restaurants aller Küchen, vom Hotelangebot ganz zu schweigen. Pattaya ist zwar noch kein strahlender Schwan, aber doch auch kein häßliches Entlein mehr.

Pattayas internationale Bevölkerung 

Deutsche Küche
Mit der allgemeinen Anhebung der Qualität verändert sich allmählich auch das Publikum. Zwar gibt es immer noch eine stattliche Zahl von männlichen Einzelreisenden, aber andere Gruppen - zum Beispiel Familien - legen zu. Pattaya, als Trendsetter des frühen Massentourismus zieht überdurchschnittlich viele Schweizer und Deutsche an, die dem etwas schäbigen Charme des Orts längst erlegen sind und trotz des lädierten Rufs Jahr für Jahr zurückkehren. Kaum einer der zahllosen indischen Schneider, die Anzüge von Armani und Hugo Boss auf Maß fälschen, spricht nicht wenigstens ein paar Brocken deutsch, nennt sich Hans oder Peter, auch wenn sein wirklicher Name Pratheep lautet.

Deutsche in Pattaya

Die deutsche Sprache ist im Stadtbild von Pattaya aber nicht nur durch die zahllosen deutschen und Schweizer Restaurants und die Touristen präsent, sondern auch durch eine einzigartige deutschsprachige Publizistik. Die wöchentlich erscheinende "Südostasien-Zeitung" entsteht ebenso hier wie "Sport Aktuell", "Das Magazin", "Der Farang", der vom Schweizer Stefan Matter seit Jahren herausgegeben wird. Ein "Farang" ist in Thailand jeder westliche Ausländer, das Wort kommt von "Farangse" wie Franzosen (die frühen westlichen Besucher des Landes) auf Thai heißen und stellvertretend für alle Langnasen so angesprochen werden. "Der Farang" ist eine echte Lokalzeitung, und hat von allen die höchste Auflage in Höhe von 8.000 Stück, die alle zwei Wochen erscheint und bei der lokalen deutschsprachigen Gemeinde auf großes Interesse stößt. "Der Farang" ist gewissermaßen der Blindenhund im unüberschaubaren Konsum - Angebot, das sich da im Inseraten-teil an die überwältigten Deutschsprachigen richtet.
 
Eines ist nämlich klar, je länger einer in Thailand ist, um so mehr vermißt er zwar nicht gerade das naßkalte Klima der Heimat, aber deren große kulturellen Leistungen wie den Wurstsalat und andere kulinarische Köstlichkeiten. Äußerlich ist alles in Pattaya anders und exotisch, aber beruhigenderweise vieles genau gleich wie zu Hause. Das beruhigt offenbar gerade die Touristen und hier Niedergelassenen. Wer Anschluss sucht, und sich mit Gleichgesinnten treffen möchte, hat die Möglichkeit sich einem der deutschen Vereine in Pattaya anzuschließen.